Dienstag, 11. März 2014

Dickes Ding



Kinder, Kinder,

ich sag' es euch: Mit der Reflexion is' das so'n Ding! Ich bin ausgesprochener Fan der Selbstreflexion. Ich finde, dem Anstand gebührt es, dass der Mensch sich über bestimmte Begebenheiten, Ereignisse und seine Kommunikation darüber Gedanken macht. Nennt mich altmodisch, aber man darf doch merken, dass das Gegenüber sich dabei Mühe gibt, wenn es mit einem spricht. Das Leben ist ein Miteinander, wir sind Herdentiere, auch wenn manche viel Zeit als Einzelgänger verbringen. Dass Mensch hin und wieder auf andere Menschen trifft, lässt sich so gut wie nicht vermeiden. Und hin und wieder muss man zu solchen Gelegenheiten miteinander sprechen. Vor allem im beruflichen Umfeld ist mir das erstaunlicherweise schon recht häufig so ergangen. 

Nun möchte ich von mir nicht behaupten, ich sei der Konversationsprofi und über jeden Zweifel erhaben. Nein, ich bin nicht ohne Fehl und platze gerne mal mit einem erst gesprochenen und dann darüber nachgedachten Satz heraus. Aber ich erkenne den Unmut meines Gegenübers. Eine kurze Stille, eine zweifelhaft angehobene Augenbraue, ein imaginäres Fragezeichen über der drapierten Gelfrisur oder ein in das Gesicht gefrästes „Hä?“ sind subtil gespiegelte Anzeichen für unbedarft getätigte Äußerungen.

Doch der wahre Aufreger für mich sind nicht die Dinge, die man sagt, sondern vielmehr die, die man nicht ausspricht. Wenn man schon palavern will, dann doch bitte mit Substanz!

Der klassische Gesprächseinstieg: „Hier … äh … Dingens!“ – mein Dings-Kollege. Ich meine grundsätzlich! Ob man ihn auf dem Gang trifft, ob er am Kaffeeautomaten steht oder ob er im Meeting sitzt. Es ist die … hier … dings … äh … JA, VERDAMMT, es ist die PEST!

Krankhafte Wortfindungsstörungen? Das ist doch 'ne Masche! Eine ganz miese Masche, mich in den Wahnsinn zu treiben! Ich will ihm wie beim Verschlucken auf den Rücken trommeln und schreien: Spuck’s aus! Sag es! Sprich mit mir! Nutze ein Wort, das sinnvoll ist!

Wie ich’s drehe und wende – es gibt kein Entrinnen. Der Wahnsinn hat Methode. Es ist, als lauere der Kollege mir auf, als sei es sein einziges Interesse, mich täglich zu jeder sich ergebenden Gelegenheit zu dingsen! „Hier … äh … Dings hat angerufen.“ – „Aha. Und?“ – „Ja, hier wegen Dingens.“ 

Sag es in ganzen Sätzen! Wie damals im Englischunterricht: Full sentence please! Sentence bedeutet allerdingenskirchens auch Urteil. Mein Urteil lautet: schuldig im Sinne der Anklage. Das Strafmaß wird auf Dings und Bums festgelegt. Und zwar von links und rechts!

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