Liebes World Wide Web,
du bist so groß und unnahbar und doch jederzeit und überall
verfügbar. Ein Universum. Ein kleiner Kosmos in einem noch größeren Kosmos. Was
ist der Reiz am Unendlichen? Was finden wir Menschen so genial an der
Vorstellung, dass wir ein kleiner Krümel (Krümmel, wie manche ja schreiben …),
ein verschwindend geringer Teil sind – sogar im kleinen Kosmos, den großen mal
ganz außen vor gelassen? Ich finde es gar nicht so genial. Ich finde es,
ehrlich gesagt, beängstigend. Selbst wenn ich sämtliche Circles und
Freundeskreise und Entourages und Kollegen, Kameraden und Kumpels
zusammenzähle, ist der Kosmos, in dem ich mich bewege, immer noch so mini, dass
er nicht der Rede wert wäre. Jedes Wort, jeder Satz, ist bereits da gewesen; hier
gibt es also nichts Neues zu lesen. Warum dann schreiben? Nun, da halte ich es
mit einem meiner literarischen … Vorbilder würde zu weit gehen … sagen wir, ich
halte es mit einem Herrn, der literarisch nach meinem Geschmack geschrieben hat
und es immer noch tut. Sagen wir, dieser Herr hat Einfluss auf mich genommen in
einem Maße, das Eindruck hinterlassen hat. Er inspirierte allerdings zu
vorderst mein Spiel, nicht mein Schreiben. The Zoo Story war meine erste
Begegnung mit ihm. Ein herrlich absurdes und dadurch so reales Stück, das ich
immer noch liebe.
„Ich schreibe, um herauszufinden, worüber ich nachdenke.“
Dito, Mr Albee! I agree. Darum schreibe ich. Selbst wenn
Vieles, von dem, was ich von mir gebe, bereits geschrieben steht. Ich schreibe,
um zu bleiben. Um mir im Gedächtnis zu bleiben. Und um in meinem Mikrokosmos
einen Stempel zu hinterlassen. Selbst wenn der Stempel nur für mich ist und ich
ihn nur benötige, um mich in einigen Jahren daran zu erinnern, was ich durch
das Schreiben herausgefunden habe. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, will ich
doch gegen die Angst ankämpfen. Gegen die Angst, keine Bedeutung zu haben,
verschwindend gering in einem klitzekleinen Nanokosmos dahinzuleben, ohne einen
Eindruck, einen Stempel hinterlassen zu haben … „Herrentörtchen was here!“
Die Faszination für dich, liebes WWW, ist doch genau deshalb
so groß, so unendlich weit wie du selbst, weil wir uns einerseits darin ungestört
tummeln können, abtauchen, ohne wahrgenommen zu werden. Aber weil wir
andererseits auch versuchen, gehört zu werden, erkannt, geliebt, gemocht, gelikt,
verlinkt, gebloggt, geblockt, kommentiert, kritisiert, diskutiert, diffamiert
zu werden. Publicity ist Publicity ist Publicity.
Liebes Herrentörtchen, ja bitte, tummle dich in mir (du und deine 20 anderen Persönlichkeiten). Es mag wohl sein, dass du für die ganze Welt irgendjemand bist (keine Bedeutung hast), aber für irgend jemand bist du die ganze Welt (Bedeutung unermesslich). I like!
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